"Ich hätte so gerne einen Hund, eine Katze , ein Meerschweinchen etc." wie oft bekommen genervte Eltern das zu hören. Hoch und heilig wird versprochen sich dann auch um das Tier zu kümmern, es zu füttern, den Käfig sauber zu halten, mit ihm spazieren zu gehen, je nachdem..... Aber meistens bleibt es dann doch an den Eltern hängen, die sich dann kümmern müssen. Wenn es Glück hat! Wenn es kein Glück hat, vegetiert das Mehrschweinchen in Einzelhaltung im viel zu kleinen Käfig dahin, die Katze sucht sich, wenn sie gescheit ist und die Möglichkeit dazu hat ein besseres Zuhause. (siehe unser Oscar) Der Hund wir zwar nicht verhungern, aber er läuft so am Rande mit, ohne größere Zuwendung. Allerdings sollte man den Erwachsenen mehr Verstand zutrauen, ein Tier ist kein Spielzeug, das angeschafft wird und dann wieder weggegeben wird , wenn der Reiz des Neuen verflogen ist. Wobei es auch Kinder gibt, die sich rührend um ihren Zögling kümmern. Dabei gibt es meiner Ansicht nach nichts schöneres als mit Tieren aufzuwachsen.

Ich bin mit Assi groß geworden, eine Dackeldame, sie sah ein bißchen so aus wie unsere Mata. Als ich noch im Kinderwagen saß, war Assi mein Wachhund, keiner durfte mir zu Nahe kommen. Das hat auch jeder, der sie einmal hat knurren hören und ihr in die Augen schaute sofort akzeptiert.



Assi




Später, als ich dann älter war, hab ich sie dann manchmal in den Kinderwagen gesetzt und sie spazieren gefahren. Ich durfte alles mit ihr machen. Ich muß ungefähr acht gewesen sein, als sie gestorben ist. Das war ein schwerer Schlag für mich, ich habe sehr um sie getrauert. Aber irgendwann ging es dann auch bei mir los, "Wann bekommen wir wieder einen neuen Hund?" Ich bin allen ganz schön auf die Nerven gefallen damit.

Das ging Monate so, ich wurde immer mit irgendwelchen Ausreden abgespeist, bis dann Weihnachten kam. Heiligabend ! Wir hatten ein großes Wohnzimmer, das man durch eine Schiebetür abteilen konnte. Am Heilig Abend war die Schiebetür zu, dahinter in dem Zimmer stand der große Weihnachtsbaum mit den Geschenken. Nachdem das "Christkind" gekommen war, das sich immer durch leises Klingeln bemerkbar machte, wurde die Schiebetür geöffnet und es war Bescherung. In diesem Jahr saß unter dem Tannenbaum ein Plüschhund, dachte ich, aber als ich auf ihn zu ging, wackelte mir der "Plüschhund" entgegen.

Ich weiß nur noch, daß ich einen Schrei ausstieß und fast anfing zu heulen. Ich wäre leichenblaß geworden wurde mir später erzählt. Ich hatte tatsächlich einen Hund bekommen, an dieses Weihnachtsfest werde ich mich mein Leben lang erinnern. Es war ein junger Rauhhaardackel mit dem imposanten Namen, Axel vom Hubertuswald, natürlich vom Züchter. Was mir natürlich egal war.



Axel




Ich war selig, mit sowas hatte ich überhaupt nicht gerechnet.Wir zwei wurden ein eingespieltes Team, wo ich war, war auch er, ich konnte Verstecken mit ihm spielen, wir machten lange Spaziergänge, und wenn er mal im Alleingang auf Tour war, das Bedürfnis hatte er ab und zu, -damals durften und konnten Hunde das noch, jedenfalls da wo wir wohnten, auf dem Land,- wurde ich losgeschickt um ihn zu holen. "Wenn wir ihn rufen kommt er ja doch nicht." hieß es dann immer. Wenn ich nach ihm rief , kam er immer, heute weiß ich natürlich auch warum, er wußte genau, daß ich mich freute wenn er kam, egal wie lange er unterwegs gewesen war, und daß er von mir nicht ausgeschimpft wurde. Aber damals habe ich mir darum natürlich keine Gedanken gemacht.

Axel ist mit vierzehn Jahren gestorben, und dann gab es keinen Hund mehr, ich bin dann auch von zu Hause ausgezogen, habe in der Stadt gewohnt, war tagsüber auf der Arbeit, das wäre kein schönes Leben für einen Hund gewesen.

Deshalb sind erst mal die Samtpfoten in mein Leben getreten, die mich bis heute begleiten, aber immer hatte ich im Hinterkopf, irgendwann werde ich auch wieder einen Hund haben. Und erst nach ungefähr dreissig Jahren hat sich dieser Wunsch erfüllt, mit unserem Bluechen. Was ja überhaupt nicht geplant war.

Wenn ich es jetzt überlege, hatte ich von Hunden gar keine Ahnung. Obwohl ich ja mit Hunden, wie es immer so schön heißt "aufgewachsen" bin. Was aber nicht bedeuten muß , daß man auch weiß, wie man mit einem Hund umzugehen hat, seine Bedürfnisse kennt und auch die Hundesprache versteht. Damals hat man sich um solche Sachen keine Gedanken gemacht. Ein Hund wurde angeschafft, fertig, entweder hatte er Glück und nahm am Familienleben teil, wie unsere Hunde, oder er war ein sogenannter Hofhund, oder, was noch schlimmer ist, ein Kettenhund.

Unsere Blue ist uns einfach so in den Schoß gefallen, und ich habe mir überhaupt keine Gedanken machen müssen, sie war und ist so was von pflegeleicht, wirklich ein richtiger Anfängerhund. Sie verträgt sich mit allen Hunden, man kann überall mit ihr hin gehen, sie bleibt ohne murren allein, egal wo sie ist, sie legt sich hin und schläft, Hauptsache sie hat ihre Ruhe.

Deswegen konnte ich auch gar nicht verstehen, daß die ehemalige Besitzerin Blue weggegeben hat, weil sie keine Zeit mehr hatte. Aber unser Bluechen hat sich gleich bei uns wohl gefühlt und wir haben es nie bereut.

Erst nachdem Blue bei uns war, habe ich angefangen mich ein bißchen schlau zu machen, Hundeverhalten, Erziehung etc. was man ja eigentlich vorher machen sollte. Aber Blue gab uns ja sowieso nie den geringsten Anlass, irgendwelche Bücher zu wälzen. Außerdem war sie ja sowas von gut erzogen, daß es fast schon unheimlich war. Heute sage ich, sie war dressiert, und das mag ich überhaupt nicht. Aber nach und nach ist sie dann doch noch zum "richtigen" Hund geworden, der bellt, auch mal seinen eigenen Kopf hat und der auch mal was klaut, eine Fertigkeit, die sie im Laufe der Jahre verfeinert hat. Da muß ich nur an den Osterkranz denken, den sie vom Tisch geklaut hat, da hätte sie früher nicht mal im Traum dran gedacht !

Erst als dann Charly in mein Leben trat, der ja ein ganz anderes Kaliber ist, habe ich gemerkt, was es heißt einen Hund zu haben, auch wenn ich nur mit ihm spazieren gegangen bin. Da habe ich mich richtig intensiv auf allen möglichen Hundeseiten herumgetrieben und viel über Hunde gelernt. Charly hat mich ganz schön gefordert, aber ich wäre niemals auf die Idee gekommen zu sagen, das ist mir zu anstrengend, obwohl es ja nicht mal mein eigener Hund war.

Deswegen versteh ich die Menschen nicht, die sich einen Hund "anschaffen", und ihn dann nach ein paar Wochen oder Monaten, manchmal auch schon nach ein paar Tagen wieder weggeben, weil er nicht so "funktioniert" wie sie es gerne hätten. Dann muß man sich halt mal ein bißchen Mühe geben, manchmal sind es ja nur Kleinigkeiten, die der Mensch, -nicht der Hund,- verkehrt macht. In der heutigen Zeit sollte es ja wohl kein Problem sein, sich schlau zu machen.

Und wenn man einen Hund hat, hat man ihn auch für ein ganzes Hundeleben, das hoffentlich lange dauert. Würde der Hund sein Herrchen oder Frauchen verlassen, weil sie älter oder krank werden, weil er sein Futter nicht immer pünktlich bekommt, weil zu wenig mit ihm spazieren gegangen wird, weil sich so gut wie gar nicht um ihn gekümmert wird? Würde er, wenn er sich seine zukünftigen Besitzer aussuchen könnte, nach dem Aussehen gehen oder nach dem Alter? Niemals! So etwas tun nur Menschen Tieren an.



Übrigens kann ich jetzt seit ein paar Monaten nicht mehr mit Charly spazieren gehen, auf nähere Einzelheiten möchte ich hier nicht eingehen. Charly hat auf jeden Fall keine Schuld, aber es tut mir immer noch weh, wenn ich an ihn denke, ich bin schließlich über zwei Jahre bei Wind und Wetter jeden Tag mit ihm gelaufen.
Und ich denke jeden Tag an ihn.


Nachtrag 21 Oktober 2008

Gott sei Dank kann ich solch einen erfreulichen Nachtrag machen ! Jetzt kann ich wieder mir meinem Knuddelbären spazieren gehen, und so oft wie ich will, weil er ja jetzt zu uns gehört, und wir ihn nie wieder hergeben werden.